Die letzte Ausstellung, an der Tanja und ich zusammen beteiligt waren, fand in Köln statt. Dort waren Arbeiten von ein paar Freunden versammelt gewesen. Tanja zeigte ein ausgeklügeltes und zugleich einfaches Ensemble, das aus einer Maske und umgearbeiteten Kleidungsstücken bestand. Neulich schlug sie mir vor, eine Schau zu organisieren, die meine Zeichnungen und ihre Keramiken zusammen zeigen sollte.
Dann ergab sich die Möglichkeit, diesen Raum zu bekommen, in einer der Strassen etwas am Rande des Viertels, in einem sich schnell verändernden Teil der Stadt. Neubauten, ältere Mietshäuser und Lagerhallen wechseln sich ab. Dazwischen Brachflächen, durch die man über den verwilderten Bewuchs hinweg auf die weiter entfernt liegenden Gleise schauen konnte.
Würden dahin Besucher kommen?
Anfangs sprachen wir noch davon „eine Ausstellung aufzubauen“, später nannten wir das „einen Raum strukturieren“.
Wir hatten keine Nägel um die Zeichnungen zu hängen, keine Sockel oder Tische um die Keramiken zu präsentieren. Für Tanjas Arbeiten ging das vielleicht noch an, sie auf den Boden zu setzen, das machte sie öfters. Kleineren Papierarbeiten hatte ich auch einmal auf Tischen ausgelegt, das schon, aber die Zeichnungen direkt auf dem Boden?
Der Raum ist gross, eine ehemalige Lagerhalle, der Blick ging weiter als erwartet, die Wände sind grau und schmutzig. Das Oberlicht ist offen, blickte man nach oben, knackten unter den Füssen die Scherben. Dort, über den Boden, gingen die hellgefleckten Strahlen der Sonne und dann die Schatten der Wolken vorbei.
„In lieblicher Bläue blühet.“
Meine Zeichnungen breiteten wir auf dem Boden aus, die in die Papiere eingeriebenen Farben und Tuschen glommen manchmal heraus oder vermischten sich mit dem Grau des Betons. Bäume, Hügel, gekräuselte Wasserflächen und Inseln konnte man aus den Augenwinkeln sehen. Dazwischen und darauf wurden die Keramiken gesetzt, war das noch eine Landkarte oder schon eine Landschaft? Das Ganze bevölkert von Geistern und Figuren, die gerade erst entstehen oder schon wieder am verschwinden sind. Daneben Gefässe aus Ton mit Öffnungen wie Augen, die hier zu Häusern mit Fenstern wurden.
Würde es vor der Eröffnung noch einmal regnen?
Anmerkung: Die in Anführungsstrichen gesetzten Textstellen sind zitiert aus Friedrich Hölderlins Gedicht „In lieblicher Bläue“.